Das Gaslaternen-Freilichtmuseum in Berlin



Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin Header;


Es gibt gute Gründe,

das Gaslaternen-Freilichtmuseum

im Tiergarten zu belassen




Aufgrund einer Behördenentscheidung aus der Zeit der vergangenen Legislaturperiode steht Berlin kurz davor, eines seiner kulturellen und touristischen Alleinstellungsmerkmale zu verlieren. Zurückgreifend auf diese Entscheidung beabsichtigt der Senat, das Gaslaternenmuseum aus dem Tiergarten baldmöglichst in das Technikmuseum zu verlagern. Mit diesem Museum steht im Bezirk Mitte eine weltweit einmalige Sammlung historischer Gaslaternen aus zwei Jahrhunderten europäischer Beleuchtungsgeschichte. Als kostenloses Freilichtmuseum ist diese Sammlung weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt und wird in zahlreichen in- und ausländischen Reiseführern beworben. Wohl aus Kostengründen soll dieses Museum nun auf das sehr viel weiter vom touristischen Geschehen entfernte Gelände des deutschen Technikmuseums verlagert werden. Ob die Laternen dort jemals vollständig wieder aufgestellt werden, ist fraglich. Diese Entscheidung stammt aus einer Zeit, in der kulturelle Belange in Berlin keine eigene politische Zuständigkeit hatten und zwischen Verkehrsplanung, Wohnungsbau und Stadtentwicklung untergebracht werden mussten. Die Unterzeichner haben die große Hoffnung, dass jetzt mit einer eigens für Kultur und Europa zuständigen Senatsverwaltung diese Entscheidung neu bewertet werden kann. Im Folgenden schildern wir die Gründe, warum das Gaslaternenmuseum an seinem bewährten Platz im Tiergarten unbedingt verbleiben sollte.


Einzigartiges Museum Europäischer Beleuchtungsgeschichte

Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin Exponate

Im Jahre 1978 wurde am Eingang des Tiergartens, zwischen Zoo und Hansaviertel und nahe dem S-Bahnhof Tiergarten, vom damaligen Bausenator Harry Ristock eine Sammlung von historischen Gaslaternen unter dem Namen "Gaslaternenmuseum" installiert. Die bis heute auf 90 Stück angewachsene Ausstellung zeigt Modelle von 1826 bis in die 1950er Jahre und umfasst damit eine außergewöhnliche zeitliche Spannweite. Die Laternen, zum großen Teil Originale oder originalgetreu wieder hergestellt, stammen sowohl aus deutschen Städten wie Hannover, Dresden, Berlin als auch aus europäischen Städten wie London, Brüssel, Budapest oder Paris. Alle diese Städte spendeten damals ihre Laternen der Stadt Berlin für dieses Museum. Im Jahre 1995 wurde das gesamte Gaslaternenmuseum unter Denkmalschutz gestellt. Die Laternen, die so eindrucksvolle Namen tragen wie "Wilmersdorfer Witwe", "Pilzleuchte" oder "Köpenicker Galgen", erfreuen allabendlich Spaziergänger und Besucher aus aller Welt gleichermaßen mit ihrem einmaligen Licht, wenn sie zusammen mit den anderen Straßenlaternen Berlins bei Einbruch der Dämmerung zu leuchten beginnen. Das Gaslaternenmuseum ist sowohl als kostenlos zugängliches Freilichtmuseum als auch von der Anzahl der Exponate her weltweit einmalig. Trotzdem möchte sich der Senat als Eigentümer dieser einzigartigen Sammlung nun von dem derzeitigen Standort trennen und die Laternen auf das Gelände des Deutschen Technikmuseums verlagern.


Gerade jetzt im Europäischen Kulturerbejahr 2018 sollte das Museum nicht abgebaut, sondern als europäisches Museum im Herzen der Stadt zu neuem Leben erweckt werden

Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin Gas-Hängeleuchte




Das Gaslaternenmuseum ist in seiner bisherigen Form ein feststehender und eigenständiger Begriff, der weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt ist. Die Tatsache, dass an einer solch zentralen Stelle im Bezirk Mitte ein durchgehend geöffnetes und kostenloses Freilichtmuseum existiert, macht den besonderen Reiz dieser Sammlung aus. Nicht ohne Grund wird das Gaslaternenmuseum auch in zahlreichen in- und ausländischen Reiseführern als Berliner Sehenswürdigkeit beworben. In unmittelbarer Nähe des Zoologischen Gartens, der City-West mit Ku-Damm, KadeWe und Gedächtniskirche, der Siegessäule, des Hansaviertels und auch der bekannten Szenelokale "Schleusenkrug" und "Café am Neuen See" liegt das Gaslaternenmuseum in einem kulturell und touristisch hochkarätig erschlossenen Innenstadtbereich, der einen Besuch quasi im Vorbeigehen ermöglicht. Müssten Berlinbesucher zur Besichtigung des Museums erst das sehr viel weiter entfernte Technikmuseum hinter dem Gleisdreieck anfahren, würde das Gaslaternenmuseum einen Großteil seiner touristischen Attraktivität verlieren und aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden.


Das Gaslaternenmuseum soll einer potentiellen Vandalismusgefahr weichen

Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin vernachlässigte Laternen

Der Senat argumentiert für den Umzug des Gaslaternenmuseums mit der im Tiergarten vorhandenen Vandalismusgefahr. In der Tat ist das Gaslaternenmuseum in keinem vorzeigbaren Zustand, weit mehr als die Hälfte der Laternen sind stark reparaturbedürftig, die meisten stehen dunkel. Jedoch handelt es sich bei den Schäden überwiegend um Wartungsmängel, viele der filigranen Laternen sind seit Jahren sich selbst überlassen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Senat vor allem deshalb das Museum verlagern will, weil er ein Beibehalten des bisherigen Standortes als zu teuer empfindet. Aber allein der Abbau des Museums und der Transport in das Technikmuseum würde schon erheblich mehr Geld kosten als den Reparaturstau vor Ort zu beseitigen. Dann müssten die 90 historischen Laternen dort ebenfalls vollständig restauriert, auf dem Gelände wieder aufgestellt und an Versorgungsleitungen angeschlossen werden. Es ist zu bezweifeln, dass dieser finanzielle Kraftakt tatsächlich vollzogen wird. Vielmehr ist zu befürchten, dass das Museum, ist es einmal abgebaut, auf unbestimmte Zeit zumindest zu großen Teilen eingelagert wird. Und selbst wenn die 90 Exponate dort vollzählig wieder aufgestellt werden sollten, das Museum schließt an den meisten Tagen um 17:30 Uhr, montags ist es ganztägig geschlossen. Die Laternen würden also nur noch in den Wintermonaten für kurze Zeit am Tage und auch nur noch gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes im leuchtenden Zustand zu sehen sein.


Im Technikmuseum verliert das Gaslaternenmuseum seine Alleinstellung und ist dort nur noch einer unter vielen Ausstellungsbereichen

Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin Führung

Eine sowohl touristisch als auch finanziell sinnvollere Lösung ist, das Gaslaternenmuseum an seinem jetzigen Standort zu belassen und nach der (ohnehin notwendigen) Restaurierung wieder in der gewohnten Form der Öffentlichkeit zu präsentieren. Bei entsprechender touristischer Bewerbung dürfte die öffentliche Wahrnehmung noch gesteigert werden können. Allein der Förderverein Gaslicht Kultur e.V. hat im Jahre 2014 bereits ohne gezielte Werbung über 40 Führungen im Gaslaternenmuseum anbieten können, die größte Gruppe an Teilnehmern umfasste 150 Personen. Hinzu kommt, dass gerade der an das Gaslaternenmuseum angrenzende Bereich zwischen Bahnhof Zoologischer Garten und Straße des 17. Juni seit Jahren vernachlässigt wird und verkommt. Das beklagen auch die Bewohner des Hansaviertels. Ein weiterer Kulturabbau in diesem Bereich würde diesen Prozess noch vorantreiben. Eine touristische Aufwertung des Gaslaternenmuseums vor Ort hätte dagegen zur Folge, dass gerade auch in den Abendstunden durch ein höheres touristisches Aufkommen sich dieser Bereich im positiven Sinne wieder beleben könnte.


Das Anwerben privater Sponsoren wäre die bessere Lösung.

Bei einem Museum von solcher Prägnanz dürfte das Gewinnen privater Sponsoren gut möglich sein, etwa für das Modell einer Public-Private-Partnership, um die ohnehin vergleichsweise geringen Betriebskosten für die öffentliche Hand weiter zu reduzieren. In einer Stadt wie Berlin, deren wichtigster Wirtschaftszweig die Tourismusbranche ist, sollte ein solches Szenario vorrangig vor dem Abbau und der Verlagerung des Museums in Betracht gezogen werden.





(c) text and all photos: Bertold Kujath

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